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    Klausur des Bezirksfrauenrats

    Frauen und Gleichstellungspolitik

    Klausur des Bezirksfrauenrats

    vom 21. bis 22. Oktober 2017 in Eislingen

     
    Am 1. Tag stand das Thema Lohngerechtigkeit - gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit auf der Tagesordnung.

    Als Betroffene im Kampf um Lohngerechtigkeit berichtete uns Edeltraud Walla von ihrem Weg durch die rechtlichen Instanzen in Deutschland und dann bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

    Edeltraud verdient als Werkstattleiterin an der Universität Stuttgart mehr als 1000 Euro weniger als ihr männlicher Kollege. Sie klagte auf gleiche Bezahlung.

    Mit Unterstützung von ver.di ging es bis zum Bundesverfassungsgericht, dort wurde ihre Klage ohne Begründung abgewiesen.

    In jeder Instanz wurde ihr die gleiche Bezahlung verweigert, obwohl im Grundgesetz Artikel 3 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gefordert und festgelegt ist.

    Der europäische Gerichtshof lehnte unter anderem auch mit der Begründung ab, dass der Klägerin kein Nachteil entstanden sei. Es ist also kein Nachteil jahrzehntelang weniger als der Mann mit der gleichen Tätigkeit zu verdienen.

    Es ist also kein Nachteil das wir Frauen so in die Altersarmut gehen müssen und dann auf staatliche Unterstützung angewiesen sein werden.

    Nach dem auch das BAG gegen Edeltraud entschieden hatte, sah ver.di keine Erfolgsaussichten für eine weitere Klage. Nach Ablehnung der rechtlichen Unterstützung durch ver.di, gab es ein breites Frauenbündnis und die Frauen sammelten für Edeltraud, damit sie vor den EuGH ziehen konnte.

    Uns Frauen wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung um gleiche Bezahlung für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit noch einen langen Atem und viel Kraft kosten wird.

    Unter anderem muss der EG-Check als Prüfverfahren zugelassen werden, um Ungerechtigkeiten zu verhindern

    Klausur des Bezirksfrauenrats vom 21. bis 22. Oktober 2017 in Eislingen ver.di Klausur des Bezirksfrauenrats vom 21. bis 22. Oktober 2017 in Eislingen

    Am Nachmittag setzten wir uns dann mit dem neuen Gesetz zur Entgelttransparenz auseinander. Grundsätzlich ist die Richtung des neuen Gesetzes zu begrüßen. Es trifft aber auf 50% der Frauen nicht zu, da sie in Betrieben arbeiten, die wenige als 200 Beschäftigte haben.

    Immer noch gibt es eine Lohnlücke von 21% zwischen den Geschlechtern.

    Das neue Gesetz fördert die Transparenz, aber die Veränderung oder Umsetzung von Gleichberechtigung erfolgt damit nicht, denn weitere Kontrollen oder Maßnahmen sind dort nicht festgelegt. Es ist also ein stumpfes Schwert!

    Wir ver.di-Kolleginnen, können und müssen uns weiter in Tarifkommissionen und in den Gremien von ver.di dafür einsetzen, dass die Lohnungerechtigkeiten abgeschafft werden.

     

    Frauen im Bezirksfrauenrat kommen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen. Sie stärken sich gegenseitig und werden sich auch in den anstehen Orga-wahlen in ver.di für mehr Frauenrechte einsetzen.

     

    Für die Umsetzung des neuen Gesetzes zur Entgelttransparenz benötigen wir Frauen starke Personalvertretungen, die in den Betrieben und Einrichtungen auf angemessene Eingruppierungen der Tätigkeiten achten.

    Auch bei Edeltraud Walla gab es Behauptungen, dass sie andere Tätigkeiten macht als ihr Kollege.

    Vorsicht also beim selber Erstellen einer Tätigkeitsbeschreibung. Da ist es dringend nötig die Hilfe von ver.di-Sekretärinnen und -Sekretäre zu bekommen. Die Tätigkeitsbeschreibungen sind die Grundlage der Eingruppierungen.

     

    Bei der Klausur des Bezirksfrauenrates wurde außerdem über verschiedene andere politische Themen diskutiert u.a. der Rechtsruck in Deutschland durch den Einzug der AfD in den Bundestag und der damit verbundenen anderen Frauenideologie; der Frauenaltersarmut, der Überlastung und Arbeitsverdichtung in allen Arbeitsbereichen u.v.m.

     

    Zum Abschluss gab es die Aufforderung an alle Frauen bei den anstehenden Wahlen der Interessenvertretungen in den Betrieben zu kandidieren und ihre Stimme als Frauen zu erheben und sich für Frauenrechte einzusetzen.