Besondere Dienstleistungen

    Kein Auskommen mit dem Einkommen

    Erwerbsarmut

    Kein Auskommen mit dem Einkommen

    die besonderen (02/2020): Ma­ga­zin des Fachbereich Besondere Dienstleistungen
    Kein Auskommen mit dem Einkommen ver.di Kein Auskommen mit dem Einkommen  – die besonderen (02/2020): Ma­ga­zin des Fachbereich Besondere Dienstleistungen


    EDITORIAL

    Kein Auskommen mit dem Einkommen - Corona verschärft Erwerbsarmut

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    weiterhin beeinflusst und beeinträchtigt die Corona-Pandemie unser Alltags-, Arbeitsleben und gesellschaftliches Miteinander, ebenso unsere gewerkschaftlichen Aktivitäten und tarifpolitischen Auseinandersetzungen. Doch gerade in dieser Zeit haben wir uns mit unseren und für unsere Mitglieder stark gemacht, um Arbeitsbedingungen zu verbessern, Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern, Belastungen und soziale Härten abzufedern.

    Diese Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig Gewerkschaften sind, und verdeutlicht auch, wo dringend nachgebessert werden muss: bei der Daseinsvorsorge,
    auf dem Arbeitsmarkt und bei der sozialen Sicherung. Dazu hat ver.di das Positionspapier „Erste Lehren aus der Corona-Krise“ veröffentlicht. Hier werden die Herausforderungen beschrieben und die aus unserer Sicht notwendigen Maßnahmen eingefordert. Klar ist, dass es letztlich auch darum gehen wird, gesellschaftliche Mehrheiten für einen sozial-ökologischen Umbau zu organisieren, der zu mehr Verteilungs gerechtigkeit führt und zu dessen Finanzierung die großen Vermögen beitragen müssen.

    Eine zentrale ver.di-Forderung ist, dass der in den letzten drei Jahrzehnten angewachsene Niedriglohnsektor abgebaut werden muss, denn es trifft gerade Geringverdienende und Minijobber *in nen, Werkvertragsnehmer*innen und Soloselbstständige, Teilzeitbeschäftigte und auch Zeitarbeiter*innen besonders hart. Dass Erwerbstätige mit niedrigeren Einkommen stärker von den negativen wirtschaftlichen Folgen betroffen sind, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung beauftragte Online-Befragung vom Juni. Die Befragungsergebnisse verdeutlichen, dass die Beschäftigten im Niedriglohnsektor beispielsweise deutlich häufiger an Einkommen eingebüßt haben, bei Kurzarbeit deutlich seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes erhalten und etwa doppelt so häufig fürchten, als Folge der Pandemie ihren Arbeits platz zu verlieren. Gleichzeitig wird ausgeführt, dass für Beschäftigte in Unternehmen mit Tarifvertrag und Interessenvertretung die Situation besser ist. So erhalten 54 Prozent der Befragten mit Tarifvertrag eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, während es ohne Tarifvertrag nur 31 Prozent sind. In Betrieben mit Betriebsrat existieren häufig Regelungen für Home office und wo es eine solche Vereinbarung gibt, empfinden Befragte die Arbeits situation als weniger belastend.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir gehen davon aus, dass sich viele unserer Konflikte mit den Arbeitgebern nach der Krise verschärfen. So gibt es Arbeitgeber, die längere Arbeitszeiten, wie sie die Covid-19-Arbeitszeitverordnungen erlauben, und die weitere Entgrenzung von Arbeitszeiten als Modell für eine neue Arbeitswelt ansehen. Diese Arbeitgeber sind der Auffassung, dass man den Folgen der Krise nur mit einem dauerhaft schwachen Lohnwachstum und einer strengen Ausgabendisziplin des Staates begegnen kann. Das sehen wir absolut anders! Wir brauchen einen Rettungsschirm für Kommunen, der auch die wegbrechenden Steuer einnahmen und zusätzlichen Kosten auffängt und wir brauchen eine ausreichende Finanzierung des Gesundheitssystems und des öffentlichen Nahverkehrs. Genauso
    brauchen wir dauerhaft gute Löhne und Arbeitsbedingungen. Dafür treten wir solidarisch mit unserem betriebs-, tarif- und gesellschaftspolitischen Engagement ein.

    Christine Behle
    Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
    und Leiterin der Fachbereiche Besondere Dienstleistungen und Sozialversicherung, Bund und Länder, Gemeinden, Verkehr


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