Gemeinsam durch die Krise!

    Alltag von Pfleger*innen in der Corona Pandemie

    Rede der ver.di Jugend vom 18.12.2021

    Alltag von Pfleger*innen in der Corona Pandemie

    Rede von Maximilian Berg am 18.12.2021
    Maximilian Berg - Pflegekraft am Klinikum Reutlingen Pascal Klein Maximilian Berg - Pflegefachkraft am Klinikum Reutlingen

    Heute Morgen begann mein Dienst auf der Intensivstation. Ich versorgte als Pflegekraft in diesem Frühdienst zwei Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Beide Patient*innen sind ungeimpft und haben nun einen sogenannten „schweren“ Verlauf. Doch was heißt das eigentlich?
     
    Durch die Infektion ist die Lunge entzündet. Das bedeutet, dass Bereiche der Lunge nicht aktiv am Gasaustausch beteiligt werden können. Somit bekommen die Patient*innen schlechter Luft und benötigen Sauerstoff.
    Mit dem Sauerstoff versucht man die übrigen Bereiche der Lunge und somit den Körper ausreichend zu versorgen. Doch bei einem schweren Verlauf ist die Lunge so stark geschädigt, dass die Patient*innen in ein akutes Lungenversagen rutschen. Somit muss die Lungenarbeit von einem Beatmungsgerät oder sogar von einer externen Maschine übernommen werden. Die Patient*innen sind dabei in einer Narkose. Sie werden mit Medikamente vollgepumpt und müssen dauerhaft versorgt werden. Bauchlagerung/Rückenlage, Pflege und im Bedarf steigen andere wichtige Organe aus. Dann müssen diese mit weiteren Geräten ersetzt werden.
    Zusammenfassend haben Sie vielleicht Glück und sie überleben diese Infektion.
     
    In den Betrieben, egal ob im Einzelhandel, in den Hochschulen oder in den Kindertagesstätten, in fast allen Betrieben spalten sich die Belegschaften. Ungeimpfte vs. geimpfte heißt es dann nur noch. Doch die Kolleg*innen stehen vor ganz andern Herausforderungen. Wie kann meine Gesundheit am Arbeitsplatz geschützt werden? Wo kann ich mich regelmäßig testen lassen? Wer übernimmt die Kosten? Kommt nun doch eine allgemeine Impflicht?
     
    Der Bundestag als auch Bundesrat haben einer Impfpflicht für Berufe im Gesundheitswesen zugestimmt. Somit müssen alle Beschäftige bis 15. März 2022 impft sein. Ein Großteil der Kolleg*innen sind bereits geimpft. Doch alle die noch skeptisch sind oder sich nach ausreichender Auseinandersetzung mit diesem Thema gegen die Impfung entschieden haben, werden somit unentgeltlich freigestellt und verlieren im weiteren Verlauf ihren Job. Bereits jetzt schon haben Arbeitgeber Beschäftigte freigestellt von der Arbeit – ohne aktueller Rechtsgrundlage.
    Junge Menschen, die gerade eine Ausbildung in diesen Bereichen absolvieren sind verunsichert. Ist das der Job, den ich ausüben möchte?
    Die Situation verschlimmert sich zunehmend.  Es wird nichts dagegen gemacht. Was passiert mit den Auszubildenden die ungeimpft sind? Die zukünftigen Fachkräfte verlieren wir dann auch!
     
    In so einer Branche, in der schon vor der Corona-Pandemie ein Fachkräftemangel herrscht, ist es vertretbar, dass noch mehr Fachkräfte und angehende Fachkräfte gehen?!
    Da ist ein Zusammenbruch der Versorgung der Bevölkerung vorprogrammiert! Die Berufsbezogene Impfpflicht beendet nicht die Pandemie. Diese bringt das volle Fass, das durch die Jahre immer voller wurde zum Überlaufen. Und somit werden auch Kündigungen von Beschäftigten erfolgen.
    Die Politik verspricht, macht aber nichts. Und nun, bekommen wir eine Impfflicht? Wir als ver.di Gewerkschafter*innen lehnen diese berufsbezogene Impfpflicht ab.
    Das heißt nur im Gesundheitsbereich stecken sich Kolleg*innen an?
    All die anderen Kolleg*innen, die auch mit Menschen arbeiten, stecken sich nicht an? Von der Lehrkraft bis zur Polizeikraft, vom Busfahrpersonal bis zur Verkaufspersonal diese sind genauso gefährdet .
     
    Es muss endlich gehandelt werden, liebe Landes- und Bundesregierung. Angefangen mit mehr und individueller Aufklärungsarbeit bei der Impfungen, bis hin zur Freigebung der Patente der Impfstoffe.
     
    Eine bessere bzw. angemessene Gesundheitsversorgung in unserem Land sollte doch wichtiger denn je sein. Vor allem zu diesen Zeiten.
    Wir brauchen jetzt ein angemessenes Personalbemesungssystem in allen Bereichen des Gesundheitssystem von der Behindertenhilfe bis zur Altenpflege von der Psychiatrie bis zur Pflegefachkraft.
    Wir müssen weg von den DRG-Fallpauschalen hin zu einer wirklichen Daseinsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger der Region.
     
    Alle Punkte, die ich angesprochen habe, können wir nur solidarisch gemeinsam schaffen.

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