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    Schließung der Wäscherei der Kreiskliniken Reutlingen

    Pressemitteilung

    Schließung des Wäschereibetriebs der Kreisklinken Reutlingen steht wieder im Raum

    Erneuter Widerstand des Betriebsrats – Argumente wieder nicht stichhaltig - Fremdvergabe risikobehaftet und weder zeitgemäß noch nachhaltig
    Eine Reihe von Industriewaschmaschinen mit offenen Türen freepik.com Wäscherei - Symbolbild

     Die Geschäftsführung der Kreiskliniken Reutlingen plant, die Wäscherei der Kreisklinken Reutlingen teilweise zu schließen bzw. die komplette Wäschereileistung outzusourcen.

     Benjamin Stein ver.di Bezirksgeschäftsführer Fils-Neckar-Alb: „Noch im letzten Jahr hatte der damalige Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und dem Kreistag beschlossen, die Klinik unter eine neue Führung zu stellen. In diesem Zusammenhang wurde immer wieder beteuert, dass nichts privatisiert wird. Jetzt fängt schon ein Jahr später der Ausverkauf an. Hier werden Arbeitsbedingungen verschlechtert und Arbeitsplätze langfristig vernichtet. Das ist unverantwortlich, gerade unter diesen dramatischen Pandemie-Bedingungen. Denn eine Klinik funktioniert nur im Team. Wir fordern den Aufsichtsrat auf die Schließung zu stoppen.“

    Über die Pläne wurde der Betriebsrat nur einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung informiert, in der dies entschieden werden sollte. Die Entscheidung wurde aber „zum Glück“ vertagt. Damit bekam der Betriebsrat die Gelegenheit, eine ausführliche Stellungnahme zu dieser geplanten Teilbetriebsschließung zu erarbeiten. Trotzdem sind die hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wäscherei zutiefst verunsichert und enttäuscht, da sie erst vor einigen Monaten in die Dienstleistungstochter der Kreiskliniken Reutlingen ausgelagert wurden und nun das.

    Der Betriebsrat hat diese Stellungnahme erarbeitet und lehnt die Schließung aus mehreren Gründen ab: Bereits mehrfach (in den Jahren 2002 und 2014) wurde durch unabhängige Untersuchungen bestätigt, dass die Wäscherei rentabel arbeitet. Folgerichtig wurde die letzte geplante Schließung der Wäscherei im Jahr 2014 verhindert. Bereits zu diesem Zeitpunkt war aber klar, dass spätestens im Jahre 2021/2022 eine Erneuerung von Maschinen und Anlagen nötig wird. 
    Hierzu ist die jetzige Geschäftsführung nun nicht bereit.

    Die Begründung hierfür:

    Zu langsame Amortisation (Refinanzierung einer Investition) sowie Bindung von Investitionsmitteln welche in anderen Bereichen (z. B. Medizintechnik) benötigt werden. Die Lösung hierfür soll die komplette Fremdvergabe (Outsourcing) der Wäschereileistungen an Dritte sein.

    Finanzierung und Refinanzierung

    Das Argument der Geschäftsführung über die Bindung von Investitionsmitteln, welche in anderen Bereichen (z. B. Medizintechnik) fehlen würden, ist ein Scheinargument.

    Es gibt andere Finanzierungsformen wie Miete oder Leasing, die keine Investitionsmittel binden. Im Miet- oder Leasingzeitraum müssten lediglich laufende Rückstellungen gebildet werden um einen fortlaufenden Weiterbetrieb der Wäscherei zu gewährleisten.

    Outsourcing -  Nachteile und Risiken

    •  Die Kreiskliniken Reutlingen begeben sich in eine Abhängigkeit vom externen Zulieferer. Falls der Zulieferer (Großwäscherei) in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt oder auch nur die Belieferung durch Witterungseinflüsse o. ä. stockt, ist die komplette Wäscheversorgung (Bekleidung Personal, OP-Wäsche und Bettwäsche etc.) und damit der Klinikbetrieb unmittelbar gefährdet.
    • Wie der Presse zu entnehmen ist, sind einige Betriebe der Wäschereibranche seit Beginn der Corona-Pandemie durch fehlende Aufträge z. B. aus der Hotelbranche bereits insolvent oder drohen insolvent zu werden.
    • Weiterhin wird die bisherige bestehende Flexibilität aufgegeben. Ob bei Bedarf noch schnelle Nachlieferungen oder weitere Schichten beim Zulieferer möglich sind, darf zumindest stark bezweifelt werden. Auch sind dann Notfallversorgungen, wie zuletzt beim Ausfall der Wäscherei der RKH Holding in Ludwigsburg wegen Corona nicht mehr möglich.
    • Auch die Kontrolle über die Qualität und Komfort (Reinheit, Härte) wird weitgehend aus der Hand gegeben. Die derzeit nicht anfallenden Transportkosten (LKW, Löhne, Kraftstoffe, Steuern, z. B. CO²-Steuer) steigen laufend, diese Kostensteigerung geben Zulieferer an die Kreiskliniken weiter.
    • Ein weiterer Punkt ist die Mehrwertsteuer, welche bei einer Fremdvergabe anfällt. Diese 19 % müssen externe Anbieter zunächst günstiger sein um zum gleichen Preis zu liefern.
    • Als letztes ist zu befürchten, dass die Kosten mittel- und langfristig nicht mehr unter Kontrolle bleiben. (Gewinnbestrebung der externen Wäscherei, Ausschreibungslücken führen zu Mehrkosten).

    Nachhaltigkeit und Klimaschutz

    Die jetzige Wäscherei zeichnet sich durch kurze Wege aus: Sowohl bei der direkten Lieferung ins angeschlossene Haus als auch für die kurzen Wege nach Bad Urach und Münsingen. Die Energie (Strom und Dampf) wird zu Selbstkostenpreisen aus der im gleichen Gebäude befindlichen Energiezentrale mit Blockheizkraftwerk geliefert. Die bereits bestehende Wäscherei (Ressource) wird aufgrund einer nun im Gesamtumfang untergeordneten nötigen Erneuerung aufgegeben. Das widerspricht dem Nachhaltigkeitsprinzip und passt nicht mehr in unsere Zeit.  In den Kreiskliniken müssen keine Gewinne erwirtschaftet werden, somit ist der Eigenbetrieb bedeutend nachhaltiger als eine Fremdvergabe.