Nachrichten

    Beschäftigte reagieren auf respektloses Verhalten der Länder-Arbeitgeber

    Pressemitteilung 08. November 2021

    Beschäftigte reagieren auf respektloses Verhalten der Länder-Arbeitgeber

    Erste Warnstreiks in Zentren für Psychiatrie und weiteren Einrichtungen - wir brauchen the Cäsh in the Länd
    Wir brauchen The Cäsh Pascal Klein The Cäsh

     

    In der Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder ruft ver.di Baden-Württemberg in der kommenden Woche zu ersten Warnstreiks auf. Der Schwerpunkt wird dabei in den Zentren für Psychiatrie des Landes liegen. Gestreikt wird auch an Universitäten und weiteren Landeseinrichtungen. Damit reagiert die Gewerkschaft auch in Baden-Württemberg auf die zweite Verhandlungsrunde Anfang dieser Woche, bei der die Arbeitgeber praktisch alle Forderungen rundweg abgelehnt haben.

    ver.di Baden-Württemberg hat die Aktionen im Land in dieser Tarifrunde unter das Motto „wir brauchen the Cäsh“ gestellt, in Anspielung auf die Landeskampagne „Willkommen in the Länd“.  https://thecaesh.de/

    Martin Gross, ver.di Landesbezirksleiter: „Fachkräfte gewinnt man nicht mit Werbekampagnen, sondern mit guten Lebens- und Arbeitsbedingungen. In dieser Tarifrunde kann das Land als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen, das wäre die beste Werbekampagne. Wir fordern Ministerpräsident Kretschmann und Finanzminister Bayaz auf, den Verhandlungsführer der Länder Hilbers, der Belastungen durch Pandemie und Inflation negiert, in die Realität des Herbstes 2021 zurückzuholen. Wir brauchen the Cäsh in the Länd.“

    Die Arbeitgeber hatten in Potsdam behauptet, es gebe explizit keine Probleme in den Kliniken. Man sei konkurrenzfähig und gut aufgestellt, ohne Personalprobleme und die Bezahlung schon jetzt sehr gut. Außerdem sprachen die Arbeitgeber in den Verhandlungen von lediglich temporären Belastungen durch die Coronapandemie.

    Da die Arbeit mit psychisch kranken Menschen hauptsächlich durch Kommunikation mit Sprache, Mimik und Gestik geprägt ist, erschwert die Corona-Pandemie die Arbeit zusätzlich. Die Not von psychisch kranken Menschen ist gestiegen. Alle Bereiche in den Zentren arbeiten ständig auf Hochtouren, neben der Therapie und der Pflege auch die handwerklichen Berufe, sowie die Verwaltung, um die nötigen Maßnahmen zu organisieren.

    Irene Gölz, ver.di Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales: „Anscheinend ist die Pandemie für die Finanzminister schon vorbei. Das ist respektlos gegenüber den Beschäftigten. Und es ist zynisch und schlicht falsch angesichts einer vierten Welle, die mit jedem Tag größer wird. Wir hatten schon vor Corona eine angespannte Personalsituation. Die Zentren suchen händeringend Fachkräfte und die Beschäftigten arbeiten am Anschlag. Was läuft eigentlich bei den Arbeitgebern falsch, dass sie die Situation der Beschäftigten und Auszubildenden nicht einmal in Ansätzen wahrnehmen und wertschätzen, sondern stattdessen ihre hochprofessionelle, engagierte Arbeit derartig abwerten.“

    Warnstreiks nach ver.di Bezirken:

    Fils-Neckar-Alb:

    • Am Dienstag, 9. November, im ZfP Zwiefalten. Kundgebung um 12 Uhr mit Irene Gölz. // Kontakt: Benjamin Stein 0151 151 758 47
    • Am Donnerstag 11. November an der Hochschule Reutllingen; Kundgebung um 12 Uhr mit Annelie Schwaderer // Kontakt: Sven Armbruster 0160 7422 697

    Hintergrund

    ver.di fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder eine Einkommenserhöhung um fünf Prozent, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Beschäftigte des Gesundheitswesens sollen tabellenwirksam monatlich 300 Euro mehr erhalten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 100 Euro angehoben werden.

     Verhandelt wird für rund 1,1 Millionen Tarifbeschäftigte (940.000 Vollzeitstellen) und 48.000 Auszubildende im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen). Das Tarifergebnis soll zudem zeit- und inhaltsgleich auf die 1,2 Millionen Beamtinnen und Beamten sowie rund 880.000 Versorgungsempfänger im Bereich der Länder sowie 175.000 Beamtinnen und Beamte und 120.000 Versorgungsempfänger im Bereich der Kommunen übertragen werden (Angaben ebenfalls ohne Hessen).

    ver.di führt die Tarifverhandlungen gemeinsam mit den DGB-Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU sowie in einer Verhandlungsgemeinschaft mit dem dbb beamtenbund und tarifunion. Die Verhandlungen werden in dritter Runde am 27. und 28. November 2021 in Potsdam fortgesetzt.

    In Baden-Württemberg sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes von 2020 rund 325.000 (Vollzeitäquivalente 275.000) Beschäftigte von den Tarifverhandlungen direkt oder indirekt betroffen. Etwa 189.000 sind Beamte, rund 136.000 Angestellte. Rund 48.000 Beamte oder Angestellte sind befristet.

    Allein bei den Zentren für Psychiatrie arbeiten rund 10.000 Beschäftigte.

    Gut 27.000 Beschäftigte der Unikliniken fallen nicht unter den Tarifvertrag der Länder.