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    Frau aktiv

    Frauen und Gleichstellungspolitik

    Frau aktiv

    Das Magazin für aktive Frauen im Bezirk Rhein-Neckar (Februar 2018)


    100 Jahre Frauenwahlrecht - endlich am Ziel?

    Die Zulassung von Frauen zu politischen Wahlen im November 1918 war ein historischer Meilenstein, gar keine Frage. Die Stadt Mannheim würdigte dieses Jubiläum im Rahmen des Neujahrsempfangs unter dem Titel „Mann-Heim als Frauen-Ort“ ganz zu Recht. Auf Ebene drei im Rosengarten wurden die verschiedensten Aspekte der Gleichstellung von Frauen und Männern beleuchtet.

    Mit dabei war auch der ver.di Bezirksfrauenrat Rhein-Neckar. Auf einem Zeitstrahl von 1878 bis 2017 wurden wichtige Etappen auf dem Weg zur Gleichberechtigung (nicht nur) aus gewerkschaftlicher Sicht dargestellt und erläutert.

    Bei aller Freude über das bisher Erreichte muss es aber dennoch heißen: Nein, am Ziel sind wir noch lange nicht. 1918 wurde nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht eingeführt. Frauen können also nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden. In der vergangenen Legislaturperiode gab es den bisher höchsten Anteil von Frauen im Bundestag, das war ein Anteil von 36,3 Prozent, im aktuellen Parlament sind es nur noch 30,9 Prozent. Ohne die zahlenmäßige Gleichheit je erreicht zu haben, geht es also schon wieder abwärts.

    Eine Meinung, die dennoch – nicht nur im rechten politischen Spektrum – durchaus verbreitet ist: die Gleichberechtigung sei doch längst erreicht und insbesondere dieser „Genderwahn“ völlig überflüssig. „Feministin“ scheint heute wieder, mehr als noch vor einigen Jahren, das Zeug zum Schimpfwort zu haben. Einige, gerade junge Frauen, finden Feminismus einfach nur uncool. Der Wunsch, dieses Thema endlich abzuhaken, ist durchaus verständlich.

    Die Berliner Autorin, Kabarettistin und Poetry Slammerin Sarah Bosetti setzt sich ironisch und sprachlich brillant mit dem Thema auseinander: „Der Feminismus nervt! Aber auch, wenn er spröde und unsexy ist, hat er doch vor allem eines: recht.“

    „Feminismus wird man nicht los, indem man ihn bekämpft. Feminismus wird man los, indem man Sexismus bekämpft.“

    Nein, wir sind noch nicht am Ziel, aber wir werden es erreichen. Dazu kann jede Frau ihren Beitrag leisten. Für viele Kolleginnen gibt es 2018 eine gute Gelegenheit. Nehmen Sie ihr Wahlrecht bei den Betriebsratswahlen wahr, gehen Sie wählen – oder besser noch – kandidieren Sie!

    Doris Weibel
    Anna Barbara Dell
    Barbara Caroli-Buch
    Nevriye Cerit
    Beate Kress-Nabholz
    Präsidium des Bezirksfrauenrats
    ver.di Rhein-Neckar